Marge und Gewinn

Warum am Monatsende kein Geld übrig bleibt

Kurz zusammengefasst

Am Monatsende bleibt kein Geld übrig, wenn Wareneinsatz, Personal, Miete und weitere Kosten den Nettoumsatz fast vollständig verbrauchen. Im Beispielrestaurant bleiben von 55.000 € Nettoumsatz nur 1.100 €. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Auslastung. Du musst Kosten, Deckungsbeiträge, Entnahmen und Zahlungszeitpunkte gemeinsam prüfen.

„Der Laden war voll, aber auf dem Konto ist wieder nichts.“ Diesen Satz hören viele erst nach dem Monatsabschluss. Umsatz ist noch kein verfügbares Geld. Das gilt auch bei hohen Kartenumsätzen und regelmäßig belegten Tischen. Der Blick auf den Umsatz allein löst das Rätsel daher nicht. Entscheidend ist, was nach allen betrieblichen Zahlungen, Entnahmen und offenen Fälligkeiten tatsächlich bleibt.

Warum die Monatsrechnung kaum Spielraum lässt

Das folgende Restaurant ist ein frei erfundenes Rechenbeispiel. Es hat 60 Plätze und erzielt im betrachteten Monat 55.000 € Nettoumsatz. Die Beträge stammen nicht aus einem Kundenmandat. Alle Positionen beziehen sich auf denselben Zeitraum und dieselbe Umsatzbasis. Sie zeigen nur, wie mehrere Kostenblöcke einen gut ausgelasteten Monat nahezu vollständig aufzehren können.

Beispielrechnung: Verteilung von 55.000 € Nettoumsatz
PositionAnteil am NettoumsatzBetrag
Wareneinsatz36 % von 55.000 €19.800 €
Personalkosten37 % von 55.000 €20.350 €
Miete und Pacht9 % von 55.000 €4.950 €
Weitere betriebliche Kosten16 % von 55.000 €8.800 €
Ergebnis vor Steuern2 % von 55.000 €1.100 €

Die Rechnung geht vollständig auf. Nach Wareneinsatz, Personal, Miete und weiteren Kosten bleiben 1.100 € vor Steuern. Eine Reparatur, eine Nachzahlung oder eine private Entnahme kann diesen Rest sofort verbrauchen. Auch gute Verkäufe gleichen diese Belastung nicht automatisch aus. Der volle Gastraum verdeckt dann eine sehr knappe Kostenstruktur.

Die Benchmarks: Was für deinen Betrieb zählt

Für diese Kennzahlen liegt in der hinterlegten Zahlenbasis derzeit keine freigegebene Branchenspanne vor. Deshalb wäre ein allgemeiner Zielkorridor nicht belastbar. Nutze deine sauber abgegrenzten Monatswerte als internen Maßstab. Erst eine einheitliche Erfassung macht Veränderungen über mehrere Abschlüsse hinweg sichtbar. Berücksichtige dabei Saison, Öffnungstage, Veranstaltungen und außergewöhnliche Rechnungen.

Fünf Ursachen für die leere Kasse

1. Der Wareneinsatz wird zu spät sichtbar

Einkauf ist nicht automatisch Wareneinsatz. Lageranfang plus Einkäufe minus Lagerende ergibt den Verbrauch des Monats. Fehlt die Inventur, vermischst du Einkauf, Verbrauch und Bestandsaufbau. Auch verspätete Rechnungen verzerren das Bild. Dann erkennst du verdorbene Ware, Überportionierung oder nicht gebuchte Eigenverbräuche erst, wenn das Konto bereits belastet ist.

2. Personaleinsatz und Nachfrage passen nicht zusammen

Dienstpläne entstehen oft aus Gewohnheit. Entscheidend ist aber, wann Gäste kaufen und welche Arbeiten tatsächlich anfallen. Plane Besetzung, Vorbereitung und Reinigung nach Zeitfenstern. Halte kurzfristige Wechsel und Ausfälle fest. Prüfe anschließend Sollstunden gegen geleistete Stunden. So siehst du, ob ruhige Schichten den Ertrag starker Zeiten wieder aufbrauchen.

3. Gut verkaufte Gerichte tragen zu wenig bei

Ein beliebtes Gericht kann Umsatz bringen und trotzdem wenig Kosten decken. Prüfe deshalb seinen Deckungsbeitrag und seine Absatzmenge gemeinsam. Beachte außerdem Beilagen, Ausschuss und gewährte Nachlässe. Den Preis steuert der Gast über sein Kaufverhalten. EPS schaut auf den Deckungsbeitrag. Sinkt die Nachfrage nach einer Änderung, gehört diese Reaktion in die Auswertung.

4. Fälligkeiten und Monatsrechnung laufen auseinander

Die Auswertung kann positiv aussehen, während das Konto fällt. Lieferantenrechnungen, Versicherungen, Tilgungen oder Nachzahlungen werden nicht immer im Monat ihrer wirtschaftlichen Entstehung bezahlt. Kartenzahlungen können später eingehen. Eine Ergebnisrechnung erklärt die Wirtschaftlichkeit. Eine Liquiditätsplanung erklärt, wann Geld eingeht und wann es abfließt.

5. Entnahmen und Sonderkosten bleiben unsichtbar

Private Entnahmen, Ersatzkäufe und Reparaturen tauchen in Gesprächen oft nur nebenbei auf. Auf dem Konto wirken sie sofort. Trenne betriebliche Kosten, Investitionen, Tilgungen und private Bewegungen. Vergib dafür eindeutige Buchungstexte und prüfe ungeklärte Zahlungen. Sonst suchst du die Ursache im Tagesgeschäft, obwohl der entscheidende Abfluss außerhalb der laufenden Betriebsrechnung liegt.

Was du konkret tun kannst

  1. Schließe den Monat ab: Erfasse Nettoumsatz, Inventur, Wareneinkauf, Löhne, Miete und alle weiteren betrieblichen Kosten nach einer festen Systematik. Kläre fehlende Belege.
  2. Trenne Ergebnis und Konto: Stelle der Betriebsrechnung eine Liste aller tatsächlichen Einzahlungen, Auszahlungen und Fälligkeiten gegenüber. Ordne jede Abweichung zu.
  3. Prüfe jedes wichtige Gericht: Berechne Verkaufspreis minus Wareneinsatz und verbinde den Deckungsbeitrag mit der verkauften Menge. Beginne bei häufig bestellten Gerichten.
  4. Vergleiche gleiche Zeiträume: Stelle nur Monate mit vergleichbaren Öffnungstagen, Saisonbedingungen und Kostenabgrenzungen nebeneinander. Dokumentiere Ausnahmen direkt.
  5. Lege Maßnahmen fest: Bestimme für jede Auffälligkeit eine verantwortliche Person, einen Termin und die Zahl, die beim nächsten Abschluss erneut geprüft wird. Halte das Ergebnis fest. Besprich offene Punkte im Team, sichere Belege und halte die Entscheidung für den nächsten Abschluss kurz schriftlich fest.

Faustregel: Wenn im Beispiel von 55.000 € Nettoumsatz nur 1.100 € vor Steuern bleiben, reicht eine einzelne Sonderzahlung für eine leere Kasse. Prüfe daher Ergebnis und Zahlungsplan immer zusammen.

Fazit

Kein Geld am Monatsende ist nicht allein mit Auslastung erklärt. Du brauchst eine Monatsrechnung und einen separaten Zahlungsplan. So trennst du Kostenprobleme von verschobenen Zahlungen. Beginne bei den großen Abflüssen. Prüfe Wareneinsatz, Personaleinsatz, Deckungsbeiträge, Sonderkosten und Entnahmen in fester Reihenfolge. Weitere Antworten zur Auswertung findest du in den häufigen Fragen zur Gastronomie-Kalkulation.

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